Erfahrungsbericht: Mein Abenteuer auf der Finca Noah startet (Patrizia)

 Mit einer überdimensionalen leeren Hundebox, einem noch grösseren Koffer und einem Rucksack ging ich durch den Zoll in Palma de Mallorca. Farah hat mich bereits erwartet. Schnell war alles im Transporter verstaut und wir waren auf dem Weg Richtung Finca Noah. 

Nach 45-minütiger Fahrt im mallorquinischen Farah-Fahr-Stil standen wir vor dem weissen Tor der Finca Noah. Dieses öffnete sich langsam und ich konnte zu meiner Rechten ein Pferd und einen Esel und zu meiner Linken die gefiederten Bewohner erspähen. Weiter ging die Fahrt bis zum grünen Tor, wo bereits eine Meute freudig wedelnder Hunde, sehnsüchtig und laut bellend auf uns warteten. 

Nun stand ich endlich da vor der Casa Jeannine und konnte es kaum erwarten dieses Tiny House zu betreten, welches ich bis dahin nur von Fotos kannte. Ich staunte nicht schlecht, was alles auf so kleinem Raum Platz findet. Das Entrée mit Küche, Ess-Theke und einem bequemen Sofa, ein Badezimmer mit reichlich Platz für den Kulturbeutel und ein kleines, aber feines Schlafzimmer, das zum Verweilen einlädt. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen, vom Geschirrspüler zum Herd, zum Backofen, zur Klimaanlage und Fernseher ist alles vorhanden. Ich fühlte mich auf Anhieb extrem wohl und als geübte Camperin bereitete es mir auch keine Mühe, die Toilette ausserhalb der Casa Jeannine aufzusuchen und vor dem Zubettgehen das Tiny House nochmals zu verlassen. 

Schnell war alles verstaut und ich bereit bei der Abendtour mitzuhelfen. Doch wo kann eine Volontärin in den ersten paar Stunden anpacken? Glaubt mir für jeden auf der Finca Noah gibt es ein Job und so stand ich da zwischen Schafen, Pony und Reh und machte mich dran die „Bölleli“ mit einer Schaufel und einem Besen zusammen zu wischen, zu sammeln und zu entsorgen. Hört sich einfach an aber die Wisch- und Sammeltechnik muss zuerst geübt und dann perfektioniert werden, denn jedes „Bölleli“ wird akribisch aufgesammelt und entsorgt. Farah hat Adleraugen und findet auch das kleinste übersehene «Bölleli». Kaum zu glauben, wie viel «Bölleli» Schafe, Reh und Pony an einem Nachmittag produzieren. Wären es Gold-Nuggets wären alle reich auf der Finca Noah . 

Nach der Bölleli-Tour ging es wieder hoch zu den Gehegen. Dort warteten freudig drei Vierbeiner auf den abendlichen Spaziergang. Da ich mit Hunden nicht so vertraut bin, erhielt ich eine Schulung betreffend sicheres Betreten eines Zwingers, richtiges Anleinen eines Hundes und sicheres Verlassen eines Zwingers und los ging es für die Tour in der Dämmerung. 

Retour vom Streifzug war es Zeit die Hunde mit dem Abendessen zu versorgen, dazu wurden die vollen Fressnäpfe in die Gehege gestellt und die restlichen Näpfe für die Freigänger-Hunde (ich nenne diese so, weil sie sich auf der Finca frei bewegen können) bereitgestellt. Kaum wurde die Garagentür geöffnet (dort müssen die Hunde warten bis die Futternäpfe verteilt sind) fing das Gewusel an bis schlussendlich jeder Hund sein Fressnapf gefunden und ausgeleckt hat. 

Als Abschluss der Abendtour wurden die Fressnäpfe eingesammelt, ausgewaschen und zum Trocknen in den Kies gestellt. Die freiwilligen Vorort-Animal-Police-Helfer traten ihren Heimweg an. Mike, Farah und die sechs Freigänger-Hunde gingen in die Finca und ich zog mich in mein heimeliges Tiny House zurück. Es wurde ruhig auf dem Gelände und alle gingen zu Bett. 

Wenn Mike um 7:30 Uhr die Garagentür öffnet und sechs ausgeschlafene Hunde mit ihrem Morgenritual beginnen, startet ein neuer Tag. Um 8 Uhr treffen sich alle für ein kurzes Briefing in der Garage, denn dort wird der Tagesablauf besprochen und die Aufgaben verteilt. Bewaffnet mit Wischmopp, Eimer, Abfallsäcken und Putztücher stand ich nun im Katzengehege, welches liebevoll mit Decken, Kratzbäumen und Liegestühlen, diversem Spielzeug und natürlich auch jede Menge Katzenkisten bestückt war. Um effizient die Gehege zu reinigen, stand am ersten Tag eine erfahrene Helferin zur Seite. Genauso akribisch wie die Sammlung der «Gold Nuggets» am Abend, werden auch hier die Katzenklos herausgeputzt, Katzensand nachgefüllt und die im ganzen Raum verteilten Katzensandkörner zusammengewischt. Man kann sich gar nicht vorstellen was eine Mutterkatze und ihre Babys so alles auf den Kopfstellen können in einer Nacht. Die Decken werden wieder ordentlich gefaltet und hingelegt und verschmutzte Decken ausgetauscht. Danach werden die Böden feucht 

aufgewischt und die Fress- und Wassernäpfe ausgespült, getrocknet und frisch befüllt. Es ist ein wahres Vergnügen den Katzenbabys beim Spielen und Herumtollen zuzusehen, aber viel Zeit zum Streicheln bleibt nicht, da ja noch andere Bewohner der Finca Noah auf das „Personal“ warten. Kaum ist man mit dem ersten Gehege fertig, wartet auch schon eine weitere Katzenmutter und ihre Babys ungeduldig auf ihren menschlichen Pfleger. Und erneut heisst es: wischen, waschen, nachfüllen, zusammenlegen, Futter verteilen und streicheln. 

Da auch die Hunde, Papageien, Enten, Hühner, Hasen, Pfaue, Pferde, Esel, Ponys, Schafe, Tauben und zu guter Letzt das Reh „Coco“ ihre Bedürfnisse haben, wird auch in deren Gehegen gewischt, gewaschen, nachgefüllt und für das Wohl der Tiere gesorgt. 

Auf der Finca Noah wird den ganzen Tag geputzt, aufgeräumt, repariert und umdisponiert. Denn ein solches Paradies braucht viel Pflege und viele helfende Hände. Die körperliche Arbeit und der Klimawechsel darf nicht unterschätzt werden, das ständige Bücken und Heben von Gegenständen, die in meinem Fall definitiv schwerer waren als mein Kugelschreiber im Office , und der Temperatur unterschied zur Schweiz sind nicht ganz ohne, aber auf jeden Fall einen Muskelkater und einen leichten Sonnenbrand wert. Wenn man sich gegen 14:00 Uhr verschwitzt, staubig und dreckig im Conny Land (ein gedeckter Unterstand auf der Finca) zum Mittagessen niederlässt, weiss man was man geleistet hat. 

Die Zeit zwischen 14:00 Uhr und 17:30 steht den Volontären zur freien Verfügung. Da ich ohne eigenes Fahrzeug angereist bin, habe ich die Zeit mit den anderen Animal Police Helfern verbracht. Einmal sassen wir gemütlich am Tisch, ein andermal machten wir mit den vielen Steinen, die sich auf dem Areal befinden überdimensionale Mandalas in Form einer Krone oder eines Schriftzuges bis um 17:30 Uhr die Abendtour eingeläutet wurde. 

Die abendliche Runde ist eine verkürzte Form der Morgentour, hier wird nochmals kontrolliert ob genug Futter und Wasser vorhanden ist, die Gehege werden nochmals gesäubert und die „Gold Nuggets“ aufgesammelt. Mit den Hunden wird nochmals Gassi gegangen bis dann die abendliche Fütterung meiner bereits nach einem Tag liebgewonnenen Vierbeiner zelebriert wird. Gegen 20:00 wird es wieder ruhig auf der Finca Noah und man trifft sich für einen letzten „Schwatz“ bis man müde, aber glücklich ins Bett fällt und sich auf den nächsten Morgen freut. Denn auch wenn täglich gewischt, gewaschen, nachgefüllt und zusammengelegt wird, man weiss ja nie was der nächste Tag für neue tierische Geschichten bereithält und an welches Tier man sein Herz verliert. In meinem Fall an eine Hundedame namens Rubina. 

Für mich war es ein unbeschreibliches Erlebnis fernab vom Office-Alltag. Ich hatte die Chance Menschen kennenzulernen, welche sich tagtäglich um das Tierwohl kümmern und mit viel Herzblut aus der Finca Noah das machen was es ist, nämlich «Ein 6er im Lotto für jedes Tier das dort vorübergehend leben darf». Ich ziehe den Hut vor Euch und bedanke mich nochmals von Herzen, dass ich 16 Tage ein Teil von Euch sein durfte. 

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